Samstag, 11. April 2015

Presse | Hoffnung für den kleinen Prinzen

Oberhessische Presse, 10.04.2015
SPENDENAKTION

Hoffnung für den „kleinen Prinzen“
Er ist noch so jung und hat doch schon so viel durchmachen müssen: Sly Schader ist 15 Monate alt und leidet an einem Hirntumor. Eine Ope­ration kann sein Leben retten.

Der kleine Sly – hier mit seiner Schwester Shirley – hat einen Hirntumor. Weil die Krankenkasse die Kosten für eine OP nur zum Teil übernimmt, werden Spenden gesammelt.
© Katharina Kaufmann





















Marburg. Dunkle aufgeweckte Augen verfolgen jede Bewegung. Kleine Händchen recken sich in die Höhe und halten dabei einen Kuschel-Hasen fest, als wollten sie ihn dem Neuankömmling voller Stolz zeigen. Ein Lächeln überzieht das kleine Gesicht und lässt alle Sorgen vergessen. Sly Schader kennt keine Sorgen. Noch nicht. Denn der kleine Junge ist erst 15 Monate alt. Seine Mutter sorgt sich dafür um so mehr, um ihren „kleinen Prinzen“, wie sie Sly liebevoll nennt. Denn Sly hat einen Tumor am zentralen Nervensystem. Und die lebensnotwendige Operation in einer Spezialklinik in Hannover ist sehr teuer.
Gerade einmal neun Monate ist Sly alt, als der Tumor im Hirnstamm, ein sogenanntes pilozytisches Astrozytom, diagnostiziert wird. Diese Tumor‑art tritt vor allem im Kindesalter und bei Jugendlichen auf. Nach vollständiger Entfernung des Tumor-Gewebes sind die Heilungschancen ziemlich gut. Die Entfernung des Tumors erweist sich bei Sly allerdings als kompliziert: Zum einen ist der Kleine noch sehr jung, zum anderen geht der Tumor zum Teil ins Rückenmark über.

Mutter gibt ihr Kind nicht aufSieben Operationen, eine Chemotherapie und Monate in der Kinderklinik hat Sly seit der Diagnose im vergangenen September bereits über sich ergehen lassen. „In der Kinderklinik in Gießen hat man uns gesagt: Ihr Kind ist unheilbar krank. Eine Operation hat man uns dort gar nicht vorgeschlagen“, berichtet Mutter Pamela Schader
Doch mit dieser Aussage des behandelnden Arztes will sich die 34-Jährige nicht abfinden. Sie glaubt daran, dass ihr Sohn wieder gesund werden kann, und sie kämpft dafür. Zahlreiche Verwandte, Freunde und Bekannte helfen dabei.

Durch Zufall entsteht Kontakt zu Bertalanffy
Über mehrere Ecken und eher durch Zufall kommt so der Kontakt zu einem Spezialisten der Neurochirurgie, Professor Dr. Helmut Bertalanffy, zustande. Dieser ist Direktor der Klinik für Vaskuläre Neurochirurgie am International Neuroscience Institute (INI) in Hannover. Bertalanffy ist in Marburg kein Unbekannter, war er doch von 1997 bis 2007 Leiter der Neurochirurgischen Klinik am Marburger Universitätsklinikum. „Er hat sich die MRT-Bilder von Sly angeschaut und sofort gesagt: Ich operiere“, erinnert sich Pamela Schader an das Gespräch mit dem Arzt vor gut zwei Monaten in Hannover.
Doch die OP am INI in Hannover kostet rund 27 000 Euro. Kosten, die Pamela Schader und ihr Mann selbst stemmen müssen. „Unsere Krankenkasse zahlt die Operation nur zum Teil, weil das INI eine Privatklinik ist“, erläutert die 34-Jährige. Rund 14 000 Euro steuert die AOK Hessen zu der lebensrettenden Operation bei. Den Rest muss die Familie, zu der noch drei weitere Kinder gehören, selbst tragen.

Kasse habe keinen rechtlichen Spielraum
Warum die Krankenkasse den kompletten Betrag nicht übernimmt, erklärt Pressereferent Riyad Salhi auf Anfrage der OP so: „Gesetzliche Krankenkassen können stationäre Leistungen nur bei zugelassenen Kliniken, also jenen, die in den Kranken­hausplan des Landes aufgenommen worden sind, übernehmen. Hier gibt es ansonsten keinen rechtlichen Spielraum. Es muss sich somit unbedingt um ein Vertragskrankenhaus handeln, und eine Privatklinik – wie diese Bezeichnung ja auch schon nahe legt – gehört nicht dazu.“
Es gebe, so Salhi, drei renommierte Kopfkliniken in Deutschland, die Erfahrung mit Slys speziellem Krankheitsbild hätten und solche Operationen auch regelhaft durchführen würden.
„Aber warum soll ich jetzt einen anderen Arzt in einer anderen Klinik aufsuchen, der unser Kind vielleicht operiert, wenn ich doch bereits einen Spezia­listen gefunden habe, der sich mit dem Krankheitsbild vertraut gemacht hat und dem ich zu 100 Prozent vertraue?“, fragt sich Pamela Schader. Einen Spezialisten, der bereits mehrere Kleinkinder mit der gleichen Tumor-Erkrankung, wie Sly sie hat, erfolgreich operierte. Ein Argument, das bei der Krankenkasse nicht zieht.

Krankenkasse trifft Ausnahme-Entscheidung
„Leider hat sich Familie Schader gegen unsere Empfehlungen entschieden. Die Privatklinik in Hannover erledigt diesen Eingriff und begleitende Prozeduren deutlich kostenaufwendi­ger, wobei uns nicht recht klar ist, wodurch dieser hohe Preis gerechtfertigt wird“, erklärt Ri­yad Salhi. Unabhängig von dieser Frage sei es aus Sicht der Krankenkasse dennoch höchst unfair, die Familie auf den vollen Kosten sitzen zu lassen. 
Daher sei eine Ausnahme-Entscheidung getroffen worden, wonach die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernehme.
Für Familie Schader ist das zumindest eine kleine Hilfe: „Neben den noch fehlenden 13 000 Euro für Operation und Behandlung brauchen wir ja auch Geld für die Anreise nach Hannover, für mehrere Wochen Unterkunft vor Ort und für Slys Schwestern, die in dieser Zeit in Marburg bei Freunden und Verwandten betreut werden müssen“, schildert Pamela Schader ihre Situation.
Und weil die 34-Jährige ihre finanziellen Sorgen eigentlich nicht öffentlich machen wollte, haben Bekannte und Freunde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Mit verschiedenen
Aktionen und Veranstaltungen sammeln sie Geld, das auf ein Spendenkonto geht und Slys Genesung zu Gute kommen soll (siehe Kasten unten).
„Für mein Kind mache ich alles“, sagt Pamela Schader.
Slys dunkle Augen strahlen. „Mama“ sagt er und reckt die kleinen Händchen in die Höhe, um zu zeigen, dass er auf den Arm genommen werden möchte – und für einen kurzen Moment sind alle Sorgen vergessen.­
von Katharina Kaufmann

Spendenaktion
  • Das Spendenkonto läuft über den Verein Elterninitiative für leukämie- und tumorkranke Kinder Marburg. Nähere Informationen gibt es hier.
  • Am heutigen Samstag, 11. April, findet ab 15.30 Uhr am Café CenTral (Sudetenstraße 26b) ein Spendenfest für Sly statt. Dort werden Kaffee, Kuchen, Crepes, Kinderschminken, eine Tombola und Live-Musik von Chantal Yancey & den Movement Voices angeboten. Der Erlös geht nach Angaben der Veranstalter zu 100 Prozent an den Jungen.
Quelle: Oberhessische Presse, 10.04.2015 sowie Printausgabe vom 11.4.2015

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